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Das Haus der Barmherzigkeit. Frau Judit.

978-3-7084-0699-2

Zwei Romane aus dem Slowenischen neu übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Erwin Köstler

»Sie redeten skandalöses Zeug über meine Moral.«

Das Haus der Barmherzigkeit gilt als ein Höhepunkt der slowenischen literarischen Moderne. In dem 1904 erschienenen Roman erzählt Ivan Cankar in leisen, poetischen Tönen vom Leben unheilbar kranker Mädchen in einem Wiener Spital – und in aller Deutlichkeit von ihren Traumen und vom Elend, dem die Kinder draußen in der beinharten Realität der Donaumetropole ausgesetzt waren: von Armut, Misshandlung, sexuellem Missbrauch. Die zeitgenössischen Rezensenten verrissen das Buch und warfen dem Autor Dekadenz und Pornographie vor, die man dem »gesunden« slowenischen Volk nicht zumuten könne.
Für die gehässigen Kritiken revanchierte sich Cankar noch im selben Jahr mit Frau Judit. Die Satire auf die Doppelmoral und den fehlenden Kunstverstand der selbsternannten Hüter des Volkes ist eingebettet in die Erzählung von einer selbstbewussten Frau, die offen lebt, was andere im Verborgenen tun …

Erwin Köstlers Neuübersetzung klingt verblüffend aktuell. Sie unterstreicht die zentrale Bedeutung dieser beiden Romane für das Werk Ivan Cankars sowie dessen enorme Gabe, genau zu beobachten und sich in seine Figuren hineinzuversetzen.

»Und wie sie alle verächtlich über das plumpe, große, hässliche Leben lachten, so lachte auch der Kanarienvogel.«

EDITION MEERAUGE Special
224 Seiten, 21 x 12,5 cm, Fadenheftung, Lesebändchen, Hardcover

Aktuelle Veranstaltungen und Tipps

Montag, 4. Mai, bis Donnerstag, 7. Mai 2026, Wien:
Anlässlich des 150. Geburtstags des Autors finden an verschiedenen Orten die Ivan-Cankar-Tage statt, organisiert vom Slowenischen Kultur- und Informationszentrum SKICA Wien, dem Institut für Slawistik der Universität Wien, dem Slowenischen Institut Wien, Erwin Köstler und Judita Babnik.

Mittwoch, 6. Mai, 11:05 Uhr, Ö1:
In der Sendereihe Radiogeschichten liest Heinrich Baumgartner am Mittwoch, 6. Mai (Gestaltung Michaela Monschein) aus der Neuübersetzung (Erwin Köstler 2024) von Ivan Cankars Roman Das Haus der Barmherzigkeit.

Sonntag, 17. Mai 2026, 13 Uhr, KunstSozialRaum Brunnenpassage, Brunnengasse 71/Yppenplatz, 1160 Wien: 
Im Rahmen der Kritischen Literaturtage 2026 stellt Erwin Köstler die beiden neu erschienenen Erzählbände Aus der Vorstadt und Krpans Stute von Ivan Cankar vor.

Stimmen

»Cankar wollte sich für die ›nationale Sache‹, für die Stärkung des slowenischen Selbstbewusstseins nicht funktionalisieren lassen – er empfand das als Provinzialismus, dem er entfliehen wollte. In seinem Vorwort zu dem Text ›Frau Judit‹ schreibt er dazu: ›Jenen, die von den Künstlern verlangen, auf Kosten der Kunst auf die sogenannte Moral zu achten, das Volk zu belehren und es zu erziehen, es für was weiß ich alles zu begeistern, diesen Leuten muss man erklären, dass dieses Verlangen die größte Schamlosigkeit ist.‹« Katja Gasser in »Wiener Moderne von unten«, ORF Kultur, 09.05.2026

»Ein weiterer Zug, der sich durch Cankars stilistisch polyphone Texte zieht, ist der präzise Blick auf Sozialriten …
Die beiden neuen Prosabände
[›Krpans Stute‹ und ›Aus der Vorstadt‹, Erg. d. Verlags] bilden zusammen mit den in einem Band erschienenen Romanen ›Das Haus der Barmherzigkeit‹ und ›Frau Judit‹ die Grundbausteine der neuen Cankar-Ausgabe im Klagenfurter Verlag Johannes Heyn.« Cornelius Hell in »Im Elend von Ottakring schrieb er Werke von Weltrang«, Die Presse/Spectrum, 08.05.2026, bzw. in »Wie ich zum Sozialisten« wurde, Die Presse SPECTRUM Literatur, 09.05.2026

»… man lebt mit der kleinen Maltschi und den anderen Kindern mit. Literatur, die weh tut, Bilder, die sich im Gehirn einnisten. Große Literatur erzählt davon, wie es vor rund 120 Jahren in Wien war. Zur Jahrhundertwende also, als aus allen Richtungen Menschen in diese Stadt kamen, um wenn nicht schon ein Glück, dann wenigstens ein Auskommen zu finden.« Michaela Monschein in »Ivan Cankar zum 150. Geburtstag«, in Ö1 Radiogeschichten, 06.05.2026

»Die Veranstaltung fand am historischen Schauplatz des Romans statt: im Haus der Barmherzigkeit, dem Nachfolgebau jener Einrichtung, die Cankar mehrfach besucht hatte. Das historische Stammhaus war zur Zeit seiner Gründung die erste Institution, die chronisch kranke Menschen unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Religion pflegte und kostenlos medizinisch versorgte. ›Cankars klare Hinwendung zum Schicksal chronisch kranker Menschen verleiht seinem Werk bis heute große Aktualität‹, erklärte Harald Sidak, Geschäftsführer des Haus der Barmherzigkeit.« Lukas Ipirotis: »Cankars ›Haus der Barmherzigkeit‹ neu übersetzt präsentiert«, MeinBezirk.at (Wien/Ottakring), 30.01.2026

»›Ich lese Cankar mit einem Knoten im Hals.‹ Die junge slowenische Schriftstellerin und Bachmann-Preisträgerin Ana Marwan brachte damit zum Ausdruck, welchen tiefen Eindruck die realistischen Schilderungen in einem Pflegeheim für Mädchen im Jahr 1904 noch ein gutes Jahrhundert später auslösen.« Karl Ettinger: »Ein literarisches Denkmal für das ›Haus der Barmherzigkeit‹«, MeinBezirk.at (Wien/Ottakring), 23.01.2026

Erwin Köstler zur neuen Übersetzung dieser (und anderer) slowenischer Klassiker in »Zum Übersetzen slowenischer Literatur«, Im schönsten Fall Geschichten auf Literatur für den Fall, 17.03.2025

»… manchmal hinreißend geschildert … und das ist schön, das rückt uns den Cankar jetzt noch einmal näher an unsere Gegenwart heran«Jörg Plath, Buchkritik in Lesart, Deutschlandfunk Kultur, 10.01.2025

»… die Radikalität in Sachen Sozialkritik … wie hier emanzipatorischer Wille von Frauen beschrieben wird … ich glaube nicht, dass es so etwas in der österreichischen Literatur zu der Zeit gibt … nichts von dem ist veraltet … und das ist sicher auch eine große Leistung von Erwin Köstler: Er hat Ivan Cankar entschlackt auf eine Ivan Cankar sehr gut anstehende Kargheit … Modernität … also wirklich eine dringende Leseempfehlung!« Katja Gasser über das Buch im Gespräch mit Cornelius Hell und Manfred Müller (Moderation) in der LESE.AUSLESE, Österreichische Gesellschaft für Literatur am 16.01.2024

Leseprobe
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Ivan Cankar
Portrait Ivan Cankar (Foto: Avgust Berthold)
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Erwin Köstler
Portrait Erwin Köstler (Foto: privat)
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